Porträt
2008 gründet Laurent Isoard Signa-Terre, ein Unternehmen, das sich auf das Monitoring und die Energiekontrolle von Gebäuden spezialisiert hat und dessen bekanntestes Produkt das berühmte Immolabel ist. Eine Erfolgsgeschichte, denn das Unternehmen überwacht derzeit schweizweit rund 10 000 Gebäude, beschäftigt rund 50 Mitarbeitende und erzielt einen Umsatz von mehreren Millionen Franken.
Heute ist die Nische des Energielabelling gewinnbringend, doch dem war nicht immer so: Als Signa-Terre gegründet wurde, waren die Erderwärmung, der Energieverbrauch von Gebäuden und die Klimaneutralitätsziele noch nicht in Mode. Laurent Isoard ist somit ein echter Pionier, der die Zeichen der Zeit erkannt hat.
Ebenso hatte er Mitte der 1980er-Jahre, als er an der Ecole d'ingénieur de Genève studierte, die Bedeutung der Informatik erkannt. «Damals nahm ein Computer ein ganzes Zimmer ein, es gab noch keine Laptops, ich habe es sogar miterlebt, als die ersten Mäuse auf den Markt kamen. Trotzdem habe ich mich sofort in die Informatik verliebt. Es war Liebe auf den ersten Blick.»
Die Informatik bringt ihn zunächst zur Versicherung Providentia, einer Tochtergesellschaft der Mobiliar. Dort lernt er das Immobiliengeschäft und die Wirtschaftsinformatik kennen. Er arbeitet im Systemteam, das nicht nur die «grossen Maschinen» der damaligen Zeit betreut, sondern auch eine kleine Anwendung, welche die rund 50 Gebäude des Versicherers verwaltet. Anschliessend wechselt er zur Genfer Immobilienverwaltung Brolliet, wo er als Entwickler beginnt und sich zum Leiter der Informatikabteilung hocharbeitet. Er wirkt an der Entwicklung der Verwaltungssoftware der Immobilienverwaltung mit, die noch heute im Einsatz ist. Darauf ist er noch heute mächtig stolz.
Im Jahr 2008 hat Laurent Isoard nach fast 18 Jahren in der Immobilienverwaltung dennoch das Gefühl, mehr oder weniger alles gesehen zu haben. Er trifft Olivier Ouzilou, den damaligen Leiter des Amtes für Energie des Kantons Genf. Aus dieser Begegnung entsteht der Wunsch, ein Unternehmen zu gründen, das in den Bereichen Immobilien und Energieeinsparungen tätig ist. «Energieeinsparungen sind gut, doch um diese zu erzielen, muss man sie messen können!», so die Ausgangsidee. Diese führt zur Schaffung des Tools «Immolabel», das den Energieverbrauch mithilfe eines Computerprogramms fast automatisch analysiert.
«Ich hatte festgestellt, dass es sehr kompetente Ingenieurbüros gab, deren Analysen des Energieverbrauchs von Gebäuden jedoch nicht bis zu den Immobilienverwaltungen durchdrangen. Ich dachte mir, man muss etwas machen, um den Eigentümern und Immobilienverwaltungen auf einfache Weise zu zeigen, wie hoch der Energieverbrauch ihrer Gebäude ist.» Er erzählt mehreren Freunden von seiner Idee, welche diese allesamt grossartig finden, und legt los. Auch wenn die ersten Monate, wie bei allen Jungunternehmen, schwierig sind, gelingt es Laurent Isoard ziemlich schnell, grosse Genfer Immobilienverwaltungen als Kunden zu gewinnen. Das Unternehmen ist auf Kurs.
Laurent Isoard ist heute eine bekannte Persönlichkeit in der Schweizer Immobilienbranche, doch er hat auch einige Geheimnisse. Er ist nämlich auch ein leidenschaftlicher Musiker, der seit fast 30 Jahren in verschiedenen Rockbands spielt. Seine Instrumente? Klavier, Synthesizer und Dudelsack! «Sie können sich nicht vorstellen, wie viele grossartige Menschen ich dank diesem Instrument kennengelernt habe.»
Doch das ist nicht das Erstaunlichste: Laurent Isoard ist auch Schamane. «Ein Seelenarzt», wie er sagt, «eine Person, die im Trancezustand zwischen dem Irdischen und der Geisterwelt vermittelt». Und das ist kein Widerspruch zu seiner wissenschaftlichen Ausbildung als Computeringenieur, denn er versichert: «Die besten Schamanen, die ich getroffen habe, waren alle sehr bodenständig.» Trotzdem dürfte er ein Einzelfall in der Schweizer Immobilienbranche sein.