Porträt
Beirut–Paris–Genf: Kosmopolitismus ist für Richard Dahdah kein leeres Wort. Nach einem BBA an der American University of Beirut absolvierte er einen Master in Finance an der ESCP Business School in Paris. Auch dort bewegte er sich in einem multikulturellen Umfeld. 2005 schloss er den Master in Finance ab und begann seine Karriere in Paris.
«Ich habe ein atypisches Profil», sagt er. «Ich begann bei EY als Auditor und wechselte nach einigen Jahren zur Generalinspektion der Bank Natixis. Diese Funktion ähnelt der internen Revision, hat aber eine stärkere strategische Dimension. Ich blieb sechs Jahre dort. Das gab mir einen Gesamtüberblick über die verschiedenen Geschäftsbereiche der Bank und ihre Tochtergesellschaften.»
Unter diesen Tochtergesellschaften weckte eine sein besonderes Interesse: AEW, spezialisiert auf Immobilien-Asset-Management, die Richard Dahdah in Boston geprüft hatte. «Damals sagte ich mir, dass ich mich nach meinem Zyklus in der Generalinspektion gerne einer Tätigkeit an der Schnittstelle von Immobilien und Finanzen zuwenden würde.»
Und wie es der Zufall wollte, wurde bei AEW in Paris eine Stelle frei. «Ich traf den Leiter Asset Management. Dass ich aus der Generalinspektion kam und ins Immobilien-Asset-Management wechseln wollte, gefiel ihm sofort.»
2013 begann Richard Dahdah als Asset Manager für Büroimmobilien. Zwei Jahre später wurde er Teamleiter und verwaltete bis zu 10 Milliarden Euro an Büroimmobilien in Frankreich und im Benelux-Raum.
Nach sieben Jahren machte sich jedoch der Wunsch nach einem neuen Lebensumfeld bemerkbar. Das Ziel: die Schweiz, wo Richard Dahdah Familie und viele Freunde hat. «Ich mag die Berge sehr und generell alles, was mit Outdoor-Aktivitäten zu tun hat. Deshalb wollte ich eine Stelle im Immobilienbereich in der Schweiz finden.»
Richard Dahdah musste einige Jahre warten. 2018 wechselte er schliesslich zu UBS als Fund Manager für europäische Fonds.
Von 2018 bis 2021 war Richard Dahdah in ganz Europa unterwegs, arbeitete jedoch nicht direkt am Schweizer Immobilienmarkt. Eine besondere und etwas frustrierende Situation.
Der eigentliche Wendepunkt kam 2021 mit seinem Wechsel zu Procimmo. Das Unternehmen befand sich damals in einer Transformationsphase und suchte jemanden mit internationaler Erfahrung, der eine andere Sicht auf Immobilien einbringen konnte.
Diese Sichtweise vertritt Richard Dahdah bis heute. «Der Schweizer Immobilienmarkt hat stark davon profitiert, dass er in jüngerer Zeit keine Krise erlebt hat.» Diese günstige Ausgangslage habe die Transformation der Branche aber auch verzögert. «Die meisten Akteure arbeiten weiter wie bisher, mit denselben Profilen, ohne Automatisierung, ohne Digitalisierung, weil alles gut läuft.» Gerade im Wohnsegment würden «die Werte immer weiter steigen», was den Veränderungsdruck verringere.
Eine Entwicklung ist jedoch im Gang, mit neuen Profilen aus der Finanzwelt und spezialisierten Immobilienausbildungen. «Die gesamte Wertschöpfungskette muss sich professionalisieren, nicht nur die Portfolio Manager oder Asset Manager.»
Diese Entwicklung entspricht auch den Erwartungen institutioneller Investoren, deren Anforderungen gestiegen sind. «Man kann nicht mehr so interagieren wie vor zehn Jahren. Man muss Strategien sowie die Folgen von Asset-Management- und Investitionsentscheiden besser erklären, präzise und mit einer klaren finanziellen Argumentation.»
Heute ist Richard Dahdah Chief Investment Products Officer (CIPO) bei Procimmo. Er treibt die Weiterentwicklung der Fonds des Unternehmens und die Professionalisierung des Immobilienmanagements voran.
Für Richard Dahdah hat die Immobilienwelt auch etwas von einer Madeleine de Proust. «Es ist ein Umfeld, in dem sich alle kennen und an denselben Veranstaltungen begegnen. Das erinnert mich an den Libanon. Es ist viel weniger unpersönlich als Paris, wo es zwar viele Akteure gibt, man sie aber nie sieht. Hier treffe ich Menschen, die ich kenne, im Zug, im Tram. Ich mag dieses dörfliche Element sehr», sagt er.
Die Zeit ausserhalb der Arbeit gehört vor allem der Natur und der Familie. «Ich bin kein grosser Sportler, aber ich bin jemand, der die Ruhe der Natur gerne geniesst, weil mein Beruf sehr intensiv ist.»
Vor allem aber ist Richard Dahdah ein Epikureer, ein Liebhaber guter Restaurants und guter Weine. Er bekennt ein grosses Interesse an Schweizer Weinen. «Ich kannte sie weniger gut und entdecke sie weiter, insbesondere die Genfer Weissweine. Wir haben auch viele Liegenschaften im Wallis. Wenn ich dorthin fahre, um sie zu besichtigen, versuche ich, einen Abstecher in die Weinberge einzubauen.»
Auch Reisen sind für ihn eine sehr gute Gelegenheit, gastronomische Entdeckungen zu machen. «Ich gebe zu, dass ich dazu neige, Reiseziele zu meiden, deren Küche mich nicht wirklich inspiriert», sagt Richard Dahdah lachend. Als Liebhaber guter Restaurants sucht er gerne besondere Adressen, ob kleine Lokale auf dem französischen Land oder wenig bekannte Perlen in Italien. «All das gehört zum Reisen und zu seinem Reiz.»
