Not in my backyard: Immobilienverdichtung in der Schweiz – kurzfristig wenig realistisch
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Not in my backyard: Immobilienverdichtung in der Schweiz – kurzfristig wenig realistisch

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Eine Genfer Gemeinde hat kürzlich den Bau von 2’700 Wohnungen auf ihrem Gebiet abgelehnt – ein Projekt, das zu einer Verdoppelung der Bevölkerung geführt und die Gemeindefinanzen erheblich belastet hätte. Obwohl der Wohnungsmangel in Genf sehr ausgeprägt ist, zeigt sich die lokale Bevölkerung bei gross angelegten Bauprojekten selten begeistert ist. Für die Zukunft dürfte das abgelehnte Projekt, über das seit rund 15 Jahren diskutiert wird, neu dimensioniert werden und sich um mehrere Jahre verzögern.

Vor wenigen Tagen berichteten wir über eine Studie von Raiffeisen, die zu dem Schluss kommt, dass sich ein Grossteil der Wohnraumprobleme in der Schweiz nahezu lösen ließe, wenn Umzonungen und noch ungenutzte Bauzonen effizient bewirtschaftet und mit maximaler Dichte überbaut würden.

Wenn man jedoch den Ausgang der Volksabstimmung vom 8. März in Confignon, einer Gemeinde in der Genfer Agglomeration, betrachtet, dürfte eine solche Entwicklung nicht so bald eintreten. Denn wie so oft gilt: Obwohl sich die Bevölkerung des Wohnungsmangels im Land bewusst ist, sieht die Realität anders aus, sobald neue Wohnbauten in der eigenen Gemeinde entstehen sollen. Es handelt sich um das bekannte Syndrom des «Not in my backyard».

Ein von den Behörden genehmigtes Projekt, das anschließend von der Bevölkerung abgelehnt wurde

Das neue Quartier Les Cherpines war ursprünglich von den kommunalen Behörden von Confignon genehmigt worden. Vorgesehen waren 2’700 neue Wohnungen. Dieses Teilprojekt ist Bestandteil eines umfassenderen Entwicklungsplans, der mehrere Gemeinden umfasst und sich über 58 Hektaren ehemaliger Landwirtschaftsflächen erstreckt, die im Jahr 2011 ausgezont wurden. Insgesamt ist der Bau von 3’700 Wohnungen geplant, ergänzt durch einen 13 Hektaren großen Ökopark, der derzeit im Bau ist und für industrielle sowie handwerkliche Tätigkeiten vorgesehen ist und mehr als 2’000 Arbeitsplätze schaffen soll.
Für den Wohnteil auf dem Gebiet der Gemeinde Confignon sah das Projekt auf rund 30 Hektaren den Bau mehrerer Gebäude mit etwa zehn Stockwerken vor, bei einem Ausnützungsindex von 2,5, der laut Gegnern mit der Dichte des Stadtzentrums vergleichbar wäre.

Das Projekt wurde schliesslich von 64% der Stimmberechtigten abgelehnt, bei einer Stimmbeteiligung von über 60%. Für die Einwohner hätte die Realisierung von 2’700 zusätzlichen Wohnungen eine Verdoppelung der Bevölkerung bedeutet: von derzeit rund 4’500 Einwohnern auf mehr als 10’000 gemäß Schätzungen. Eine derart starke demografische Veränderung hätte auch erhebliche Auswirkungen auf die Gemeindefinanzen gehabt und den Alltag der Bevölkerung verändert – unter anderem durch den Bau mehrerer Schulen für rund 2’500 Schüler sowie eines Kultur- und Sportzentrums.

Die Abstimmung ist lediglich konsultativ, wird das Projekt jedoch verzögern

Auch wenn die Abstimmung in Confignon lediglich konsultativen Charakter hat und ein Teil des Gesamtprojekts bereits im Bau ist – der Ökopark sowie rund 1’000 Wohnungen, die in der Nachbargemeinde Plan-les-Ouates entstehen und dort nicht angefochten wurden –, erscheint es kaum vorstellbar, dass der Kanton Genf sich frontal gegen die Bevölkerung von Confignon stellt.

Für Nicolas Walder, Staatsrat und Vorsteher des Departements für Raumentwicklung, ist das Projekt nach dieser Abstimmung zwar nicht aufgegeben, er lehnt es jedoch ab, es gegen den Widerstand der Bevölkerung durchzusetzen.

Das Projekt Les Cherpines, über das bereits seit rund 15 Jahren diskutiert wird, dürfte daher erneut überprüft werden und wahrscheinlich in reduziertem Umfang umgesetzt werden. Aktuell ist von etwa 2’000 Wohnungen statt der ursprünglich vorgesehenen 2’700 die Rede. Nach Ansicht der kantonalen Behörden könnte eine solche Reduktion allerdings zu Problemen hinsichtlich der erforderlichen Bebauungsdichte führen, sofern die bundesrechtlichen Vorgaben für umgezonte Landwirtschaftsflächen eingehalten werden sollen. Zudem ist mit neuen Einsprachen zu rechnen. Auch die Finanzierung wird neu verhandelt werden müssen, vermutlich mit einer stärkeren Beteiligung des Kantons. Die Gemeinde schätzt, dass das Projekt in seiner aktuellen Form Kosten von rund 100 Millionen Franken verursachen würde, die sie nicht allein tragen kann.

Insgesamt dürfte die Umsetzung daher erneut mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Mit anderen Worten: Ein Ende des Wohnungsmangels im Kanton Genf – der eine der niedrigsten Leerstandsquoten der Schweiz hat – ist kurzfristig nicht in Sicht.

Die Redaktion • Immoday.ch

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