CRML entwickelt KI-Methode zur präziseren Analyse der Nachhaltigkeit von Immobilienanlagevehikeln
Nathan Delacrétaz, Center for Risk Management Lausanne (CRML)

CRML entwickelt KI-Methode zur präziseren Analyse der Nachhaltigkeit von Immobilienanlagevehikeln

Nachhaltigkeit 4 min Immoday.ch
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Das Center for Risk Management Lausanne hat eine KI-basierte Methode entwickelt, die eine umfassende, gründliche und präzisere Bewertung der Nachhaltigkeit von Immobilienanlagevehikeln durch Analyse ihrer Jahresberichte ermöglicht. Diese Methode könnte sowohl für die Investoren bei der Analyse der für sie interessanten Fonds als auch für die Fondsmanagements bei der Optimierung ihrer ESG-Politik von Nutzen sein.

Das Center for Risk Management Lausanne (CRML) ist bekannt für seine PRESS-Scores, die eine transparente Bewertung der ESG-Politik von Immobilienfonds liefern. Es forscht weiter an der Verbesserung seiner Analyseinstrumente und hat eine neue, KI-basierte Methode zum automatisierten Lesen von Jahresberichten entwickelt. Diese wurde nun in einem Bericht mit dem Titel «No Surveys Required: Small Language Models Enable Scalable ESG Extraction from Annual Reports» erläutert. Wie alle wissenschaftlichen Arbeiten ist auch dieser Bericht eher komplex. Wir haben daher einen der Autoren, Nathan Delacrétaz, gebeten, uns das Ganze zu erklären.

Nathan Delacrétaz, erklären Sie uns diese neue Methode, die vom CRML entwickelt wurde.

Ohne weiter auf die technischen Details einzugehen, die im Artikel ausführlich beschrieben sind, kann man Folgendes dazu sagen: Die Methode ermöglicht eine präzisere und aussagekräftigere Analyse der in den Jahresberichten von Immobilienanlagevehikel veröffentlichten ESG-Daten – und das automatisch unter Verwendung von KI-Modellen, die ChatGPT ähneln. Im Papier wird aufgezeigt, dass es nicht einmal notwendig ist, auf die grossen kommerziellen Plattformen zurückzugreifen. Leichtere Open-Source-Modelle, die lokal auf einem Büro-PC laufen können, erreichen eine vergleichbare Analysequalität. Hinsichtlich des Datenschutzes ist das ein Gamechanger, denn die Berichte verlassen die Arbeitsumgebung des Analyseteams nicht.

Inwiefern ist diese neue Methode besser als die Methoden, die Sie bisher zur Durchführung Ihrer Analysen verwendet haben?

Mit unserer bisherigen Methode haben wir das Vorkommen und die Häufigkeit bestimmter Wörter in den Jahresberichten ermittelt. Die neue Methode geht viel tiefer, denn sie berücksichtigt auch den Kontext und die Nuancen. Wenn in einem Bericht beispielsweise von der «Einbeziehung lokaler Unternehmen beim Bau» die Rede ist, kommt das Wort «Kreislaufwirtschaft» nicht vor – unsere alte Methode hätte diesen Hinweis also übersehen. Das heutige Modell erkennt hingegen, dass es sich dabei um eine Strategie der Kreislaufwirtschaft handelt. Darin unterscheidet sich das Textlesen von der simplen Suche nach Schlüsselwörtern. Mit dem neuen Tool können daher feinere Strategien und schwächere Signale aufgespürt werden.

Viele der ESG-Angaben, die in den Jahresberichten von Immobilienanlagevehikeln veröffentlicht werden, grenzen an Greenwashing. Kann Ihre neue Methode dies aufdecken?

Es ist gut möglich, dass sie das mit der Zeit kann. Allerdings stützt sich unsere Methode weiterhin auf die Grundannahme der PRESS-Scores, dass die in den Jahresberichten veröffentlichten Informationen korrekt sind, zumindest was den geprüften Teil betrifft. Bereits heute macht die Methode sichtbar, was gesagt oder nicht gesagt wird und wie genau die Angaben sind. Eine Diskrepanz zwischen den Aussagen und der operativen Realität ist bereits ein verwertbares Signal.

Sie haben diese neue Methode bereits bei rund 30 Jahresberichten angewendet, um die darin enthaltenen ESG-Angaben zu analysieren. Haben Sie damit bessere Ergebnisse erzielt als mit der alten Methode?

Wir konnten Nuancen erfassen, die wir vorher nicht erkennen konnten, und damit unsere Ergebnisse ergänzen. Gerade dieses qualitative Surplus verleiht den herkömmlichen quantitativen Daten eine neue Dimension. Die neue Methode ersetzt unsere anderen Tools nicht, sondern ergänzt und verbessert sie. Dadurch wird die ESG-Politik der betreffenden Immobilienanlagevehikel letztlich besser verstanden.

An wen richtet sich diese Methode?

An alle Stakeholder. Zunächst an die Fondsmanagements, die damit ihre ESG-Strategie präziser ausrichten und ihr eigenes Portfolio kontinuierlich überwachen können, ohne dabei auf einen externen Fragebogen angewiesen zu sein. Vor allem aber richtet sie sich an die Investoren, die damit viel Zeit sparen können, wenn sie die ESG-Politik der Fonds analysieren möchten, in die sie investieren wollen. Die Jahresberichte, die bislang nur von einigen wenigen Analystinnen und Analysten gelesen wurden, können nun in grossem Umfang ausgewertet werden. Ein kleines Analyse-Team genügt, um den gesamten Schweizer Markt abzudecken, ohne sich auf diejenigen Vehikel beschränken zu müssen, die freiwillig auf die Umfragen antworten. Für uns und unsere PRESS-Scores bedeutet dies, dass wir die quantitativen Daten, über die wir bereits verfügten, mit qualitativen Informationen ergänzen können.

Wo kann ich diese Methode finden, wenn ich daran interessiert bin?

Unter der folgenden Adresse: https://crml.ch/real-estate/

Die Redaktion • Immoday.ch

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