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Für die neue Generation ist es heute einfacher geworden, sich als Frau in der Berufswelt einen Platz zu schaffen, auch in verantwortungsvollen Positionen. Dies ist unter anderem den Anstrengungen der vorherigen Generation zu verdanken, die gezeigt hat, dass Frauen in einem Bereich wie der Immobilienbranche selbstverständlich ihren Platz haben. In diesem kompetitiven Umfeld zählen vor allem Engagement und Fachwissen.
In einer nach wie vor stark männlich geprägten Immobilienwelt hat sich Olivia Kammermann ihren Platz erarbeitet: zunächst bei einer Fondsleitung, heute bei Bonhôte-Immobilier SICAV. Sie spricht mit uns über ihren beruflichen Weg.
Olivia Kammermann, wie sind Sie zur Immobilienbranche gekommen?
Die Immobilienbranche hat mich schon immer interessiert. Am Ende meines Bachelorstudiums an der Haute Ecole de Gestion hatte ich die Gelegenheit, bei einer Fondsleitung einzusteigen. Ich kannte diesen Beruf damals nur aus der Theorie, doch die praktische Arbeit gefiel mir sofort.
Ich war für die Buchhaltung verschiedener Immobilienfonds zuständig. Dadurch konnte ich diese Anlageklasse über Zahlen, Berichte und Regulierung kennenlernen, drei Aspekte, die mir besonders liegen.
Wie sind Sie danach zu Bonhôte-Immobilier SICAV gekommen?
Nach sieben Jahren bei Fondsleitungen wollte ich eine andere Facette des Berufs kennenlernen. Da ich mit der Berechnung des Nettoinventarwerts und den regulatorischen Anforderungen der Tätigkeit vertraut war, wollte ich aktiv zur Umsetzung der Fondsstrategie beitragen.
Das Unternehmen, bei dem ich damals tätig war, administrierte den Fonds der Banque Bonhôte & Cie. Ich kannte die Liegenschaften im Portfolio und das Managementteam der SICAV bereits. Die Integration ins Team erfolgte deshalb sehr natürlich.
Könnten Sie uns kurz daran erinnern, was die Banque Bonhôte ist?
Die Banque Bonhôte & Cie SA ist eine 1815 gegründete Schweizer Privatbank und damit eine der ältesten Privatbanken des Landes. Die Bank ist in sieben Schweizer Städten vertreten, ihr Hauptsitz befindet sich in Neuenburg.
Bonhôte konzentriert sich auf die langfristig ausgerichtete Vermögensverwaltung, ihr Kerngeschäft. Ergänzt wird dieses durch Dienstleistungen in der Vermögensplanung, ein Angebot spezialisierter Fonds, Services für unabhängige Vermögensverwalter sowie Engagements in den Bereichen Kunst, Kultur und Philanthropie.
Um der spezifischen Nachfrage ihrer Kundschaft gerecht zu werden, hat die Bank neun Anlagefonds entwickelt, die sie derzeit verwaltet.
Darunter Bonhôte-Immobilier SICAV?
Genau. Die SICAV wurde 2006 lanciert. Sie verfügt heute über ein Portfolio von 1,4 Milliarden Franken, das hauptsächlich aus Wohnimmobilien in der Schweiz besteht.
Wir arbeiten täglich daran, dieses Portfolio zu optimieren, sei es durch Akquisitionen, die Renovation von Gebäuden oder die Entwicklung von Bauprojekten, wie beispielsweise Concept B.180 in Neuenburg. Dabei handelt es sich um 162 Einheiten, die derzeit vermarktet werden. Die ersten Bewohner werden im Herbst 2026 einziehen.
Was umfasst Ihre tägliche Arbeit als Fondsmanagerin von Bonhôte-Immobilier SICAV?
Innerhalb des Teams bin ich hauptsächlich für die Bewirtschaftung des bestehenden Portfolios verantwortlich, insbesondere für die Optimierung der Mieterspiegel, die Reduktion leerstehender Flächen und die Kostenkontrolle.
Ich beaufsichtige unsere Immobilienverwaltungen, die täglich in direktem Kontakt mit unseren Mietern stehen, um die Prozesse zu optimieren.
Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt meiner Arbeit besteht in der Umsetzung unserer ESG-Strategie, die 2020 initiiert wurde. Um unsere Nachhaltigkeitsziele konkret zu erreichen, setzen wir langfristig angelegte Massnahmen um, etwa die Installation von Photovoltaikanlagen auf allen geeigneten Dächern. Dies ist ein wichtiger Hebel, um den Wert unserer Gebäude zu erhalten und zugleich eine ökologische Dimension über die reinen Zahlen hinaus einzubringen.
Sie haben bei einer Fondsleitung, Caceis, gearbeitet und arbeiten heute für einen Fonds. Ist das sehr ähnlich oder sehr unterschiedlich?
Diese beiden Einheiten ergänzen sich innerhalb des Ökosystems der Anlagefonds. Die Fondsleitung übernimmt die Administration und die Berechnung des Fondsvermögens, während der Fondsmanager die Anlageentscheide unter Einhaltung der definierten Strategie trifft.
Nicht zu vergessen ist eine dritte Einheit: die Depotbank, welche die Konformität der Anlagen kontrolliert. Diese drei Akteure haben alle ihre jeweilige Rolle bei der Verwaltung eines Immobilienfonds.
Sie sind jung. Glauben Sie, dass es für eine Frau heute einfacher geworden ist, sich in der Immobilienwelt einen Platz zu schaffen?
Ganz klar, und das gilt im Übrigen für alle Branchen, auch für verantwortungsvolle Funktionen. Ich verdanke den Generationen vor mir sehr viel. Sie haben den Weg geebnet und gezeigt, dass Frauen in einem Bereich wie der Immobilienbranche selbstverständlich ihren Platz haben.
Es handelt sich um ein kompetitives Umfeld, in dem vor allem Engagement und Fachwissen zählen, unabhängig vom Geschlecht.
Was müsste getan werden, damit es in der Immobilienwelt mehr Frauen gibt?
Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass jede Frau ihre Ziele erreichen kann. Dafür ist eine grössere Flexibilität seitens der Unternehmen wichtig, um ein Gleichgewicht zwischen Familien- und Berufsleben zu ermöglichen. Es ist aber auch eine Frage der Verantwortung innerhalb eines Paares, die Aufgabenverteilung zu definieren.
Darüber hinaus ist es wichtig, Frauen in verantwortungsvollen Positionen sichtbar zu machen, auch um die neuen Generationen zu inspirieren. Kinder reproduzieren, was sie sehen: Je sichtbarer weibliche Vorbilder in diesem Bereich sind, desto stärker wird dies verankert.
Letztlich sollte das Geschlecht bei der Rekrutierung kein Kriterium sein. Frauen und Männer verfügen über dieselben Kompetenzen und müssen Hand in Hand arbeiten. Man muss einfach den Mut haben, etwas zu wagen, die eigene Komfortzone zu verlassen und sich zu behaupten.
Als gutes Beispiel würde ich das Managementteam der SICAV nennen: Es besteht aus vier Frauen und vier Männern. Hinzu kommt, dass die Banque Bonhôte von einer Frau geleitet wird.
Die Redaktion • Immoday.ch
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