Fünf Jahre später steckt Chinas Immobiliensektor noch immer in der Krise

Fünf Jahre später steckt Chinas Immobiliensektor noch immer in der Krise

Trends 4 min Immoday.ch
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Obwohl die Regierung zahlreiche Massnahmen ergriffen hat, setzt sich der Niedergang des chinesischen Immobiliensektors fort. In den Grossstädten sind die Preise seit 2021 um 30 bis 40 % gesunken. Für viele Eigentümer hat dies problematische Folgen: Ihre Hypothekarschulden übersteigen inzwischen den Wert der belehnten Liegenschaft. Davon sind Millionen von Wohnungen betroffen. Die Regierung versucht, die Auswirkungen der Krise auf die Wirtschaft zu begrenzen.

Ende August wurde Xu Jiayin, der Gründer von Evergrande, zu lebenslanger Haft verurteilt. Zudem wurde die Einziehung seines gesamten Vermögens angeordnet. Xu Jiayin gehörte während einiger Jahre zu den reichsten Männern Chinas und besass ein Vermögen von mehreren Dutzend Milliarden Dollar. Dennoch ist dies nur ein Tropfen auf den heissen Stein, verglichen mit den Verbindlichkeiten von fast 300 Milliarden Franken, die das Immobilienunternehmen hinterlässt. Evergrande war das erste Opfer des Platzens der Spekulationsblase, die den gesamten chinesischen Immobiliensektor mitgerissen hat.

Gleichzeitig wurden fünf weitere Führungskräfte des Konzerns zu Haftstrafen verurteilt. Gegen mehrere Tochtergesellschaften wurden zudem Bussen in Höhe von mehreren hundert Millionen Franken verhängt.

In seinem Urteil hält das Gericht fest, dass die Verantwortlichen von Evergrande einen gross angelegten Finanzbetrug begangen hatten. Dabei wurden Vermögenswerte aufgebläht und Verbindlichkeiten heruntergespielt. Im Jahr 2021 brach das Kartenhaus schliesslich zusammen. Im August 2025 wurde Evergrande von der Börse genommen, und die Aktionäre verloren nahezu ihre gesamte Investition. Auf seinem Höhepunkt im Jahr 2017 war der Konzern rund 50 Milliarden Franken wert.

Die Immobilienpreise fallen weiter

Wie eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung von Bloomberg zeigt, befindet sich der Immobilienmarkt auch fünf Jahre nach Beginn der Krise weiterhin im freien Fall. Zuvor war der Sektor einer der wichtigsten Wachstumsmotoren des Landes. Wohnimmobilien in den grössten Städten Chinas haben seit 2021 durchschnittlich 30 bis 40 % ihres Werts verloren. In den Städten der zweiten Reihe dürfte der Rückgang noch stärker ausgefallen sein.

Trotz der staatlichen Massnahmen zur Stabilisierung der Lage stehen deshalb weiterhin zahlreiche Immobilienentwickler kurz vor dem Konkurs und verzeichnen häufig jährliche Rekordverluste.

Für die chinesischen Banken ist die Situation ein Dilemma, das an die Subprime-Krise in den USA erinnert. Durch den anhaltenden Wertverlust der Immobilien übersteigen die Hypothekarschulden bei zahlreichen Käufern inzwischen den Wert der belehnten Liegenschaft. Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie von UBS könnten davon in China mehr als drei Millionen Wohnungen betroffen sein.

Anleger verlieren Dutzende Milliarden

Für viele Familien waren Immobilien die bevorzugte Anlageform für ihre Ersparnisse. Das war nachvollziehbar: Zwischen 2005 und 2021 hatten sich die Preise für Wohnimmobilien in den grossen Städten des Landes nahezu versechsfacht. Angetrieben wurde diese Entwicklung durch spekulative Käufe und eine ausufernde Verschuldung. Im Verhältnis zum Durchschnittslohn waren Wohnimmobilien in Shenzhen gemäss Bloomberg schliesslich teurer als in New York oder London.

Dann platzte die Blase.

Anfang der 2020er-Jahre verschärfte die chinesische Regierung aus Sorge um die Stabilität des gesamten Finanzsystems die Vorgaben für den Verschuldungsgrad und die Mindestliquidität von Immobilienentwicklern erheblich. Viele Unternehmen konnten die neuen Anforderungen nicht erfüllen. Dies führte nicht nur zum Zusammenbruch von Evergrande: Mit Sunac China Holdings Ltd im Jahr 2022 und Country Garden Holdings Co. im Jahr 2023 gerieten zwei weitere Immobilienriesen in die Krise. Auf ihrem jeweiligen Höchststand waren die beiden Unternehmen rund 60 Milliarden beziehungsweise 40 Milliarden Franken wert. Zum Vergleich: Sämtliche Schweizer Immobilienfonds kommen derzeit zusammen auf einen Wert von knapp 100 Milliarden Franken.

Die Krise hält trotz staatlicher Unterstützung an

Angesichts dieses massiven Einbruchs blieb die chinesische Regierung nicht untätig. Sie ergriff zahlreiche Massnahmen zur Unterstützung des Immobiliensektors. Dazu gehören tiefere Hypothekarkosten, gelockerte Kaufbeschränkungen und niedrigere Steuern auf Immobilientransaktionen.

Da diese Massnahmen offenbar nicht ausreichen, werden inzwischen auch staatliche Beiträge an die Hypothekarzinsen diskutiert. Diese sollen potenzielle Käufer dazu bewegen, auf den Markt zurückzukehren.

Doch die Abwärtsspirale setzt sich fort: Immer mehr Haushalte haben Schwierigkeiten, ihre Hypotheken zurückzuzahlen. Bei den chinesischen Banken häufen sich die notleidenden Immobilienkredite. Gleichzeitig schwächt die Abkühlung der Bauwirtschaft, die mehr als 50 Millionen Menschen beschäftigt, nicht nur die Gesamtwirtschaft, sondern auch die Gemeinden. Diese hatten sich daran gewöhnt, sich durch den Verkauf von Grundstücken an Immobilienentwickler zu finanzieren.

Nach Einschätzung von Analysten ist die chinesische Immobilienkrise deshalb noch lange nicht überwunden. Dank der staatlichen Massnahmen dürfte sie jedoch nicht zu einem wirtschaftlichen Zusammenbruch führen, wie ihn die Subprime-Krise im Jahr 2008 ausgelöst hatte.

Die Redaktion

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