
Zum ersten Mal seit zehn Jahren sind die Preise für Einfamilienhäuser in den Berggemeinden weniger stark angestiegen als im Tal. Die Nachfrage lässt nach und die Naturgefahren drücken auf die Preise. Im Gegensatz dazu erweisen sich Eigentumswohnungen als robuster: Sie sind erschwinglicher und verursachen geringere Energiekosten, was die Nachfrage stützt. Zudem könnte in naher Zukunft auch die Abschaffung des Eigenmietwerts die Preise für Zweitwohnungen in den Bergen dämpfen.
Von einer Krise möchten wir nicht sprechen, aber wenn man einer von der Walliser Kantonalbank (WKB) kürzlich veröffentlichten Studie Glauben schenkt, lässt die Attraktivität von Immobilien in den Bergregionen nach. Ihre Angebotsquote hat sich bei rund 6% eingependelt, einem tiefen, aber seit zwei Jahren konstanten Niveau. Der WKB-Studie zufolge ist diese Stabilität das Ergebnis zweier Entwicklungen: Einerseits lässt die Nachfrage nach und andererseits werden praktisch keine neuen Einfamilienhäuser mehr gebaut.
Die Analyse der Preisentwicklungen bestätigt diese Marktberuhigung. Zwar stiegen die Preise für Einfamilienhäuser in den Berggemeinden zwischen 2020 und 2025 im Schnitt um mehr als 8% pro Jahr (gegenüber 6,5% in den Tallagen), doch in letzter Zeit ist dieser Preisanstieg deutlich zurückgegangen. Im Jahr 2025 betrug er nur noch 5% und lag damit erstmals seit zehn Jahren leicht unter dem kantonalen Durchschnitt (5,5%).
Die Abschaffung des Eigenmietwerts könnte die Preise belasten
Die WKB-Studie nennt mehrere Faktoren, die diese Verlangsamung des Preisanstiegs erklären können. Erstens war das Preisniveau nach den rasanten Preissteigerungen in den Jahren 2020 bis 2022 bereits sehr hoch. Zweitens haben Naturereignisse, allen voran die Zerstörung des Dorfes Blatten im Frühling dieses Jahres, einen tiefen Eindruck hinterlassen.
Gemäss einer kürzlich von Wüest Partner veröffentlichten Studie werden Einfamilienhäuser in stark gefährdeten Gebieten im Durchschnitt um 1,8% (Hochwasser), 2,3% (Oberflächenabfluss), 3% (Hangrutsche) und bis zu 4,9% (Lawinen) tiefer bewertet als vergleichbare Objekte an sicheren Lagen.
Die WKB-Studie führt noch einen weiteren Punkt an: Die Abschaffung des Eigenmietwerts könnte erhebliche Auswirkungen auf den Immobilienmarkt in den Berggemeinden haben. Während Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser, die als Hauptwohnsitz genutzt werden, an Attraktivität gewinnen dürften, könnte eine allfällige Steuer auf Zweitwohnungen die Nachfrage dämpfen und die Preise in diesem Segment belasten.
Eigentumswohnungen halten besser Stand als Einfamilienhäuser
Während sich der Preisanstieg bei den Einfamilienhäusern abschwächt, ist dies bei den Eigentumswohnungen nicht der Fall. Mit nur 4,6% liegt ihre Angebotsquote in den Berggemeinden tiefer als diejenige der Einfamilienhäuser (6%), denn die Nachfrage nach Eigentumswohnungen ist nach wie vor hoch. Eigentumswohnungen sind erschwinglicher als Einfamilienhäuser und die Energiekosten sind tiefer, was in höheren Lagen, wo strenge Winter hohe Heizkosten verursachen, ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist. Laut der WKB-Studie erklären diese Vorteile, warum die Nachfrage nach Eigentumswohnungen in den Berggemeinden ungebrochen ist und die Preise um durchschnittlich 6,6% gestiegen sind, während es in tieferen Lagen nur knapp 5% waren.
Immoday-Redaktion