Mehr Wohnungen in den Städten würden die Zahl der Pendler nicht automatisch senken

Mehr Wohnungen in den Städten würden die Zahl der Pendler nicht automatisch senken

Trends 3 min Immoday.ch
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Hunderttausende Menschen pendeln in der Schweiz täglich zur Arbeit, mit allen damit verbundenen Unannehmlichkeiten, Zeitverlusten und zusätzlichen Umweltbelastungen. Stadtplaner führen dies auf den Mangel an Wohnraum in den grossen Arbeitszentren zurück. Eine aktuelle Studie im Auftrag der Stadt Zürich stellt diese Annahme jedoch infrage: Selbst bei einem grösseren Wohnungsangebot in den Städten würde die Zahl der Pendler nicht automatisch zurückgehen.

Ganzheitlich betrachtet betrifft Nachhaltigkeit nicht nur die Eigentümer von Immobilien. Städte, in denen sich die Arbeitsplätze konzentrieren, müssen auch genügend Wohnraum anbieten, damit Erwerbstätige nicht zum Pendeln gezwungen sind.

So weit die Theorie. Doch würde die Zahl der Pendler tatsächlich sinken, wenn die Schweizer Grossstädte mehr Wohnungen anbieten würden? Das erscheint logisch. Laut einer aktuellen Studie des Raumplanungsbüros Metron im Auftrag der Stadt Zürich ist dies jedoch keineswegs sicher.

Schweizer Städte bieten gemessen an ihrer Grösse viel zu viele Arbeitsplätze

Das Problem der Schweiz besteht darin, dass ihre Grossstädte gemessen an ihrer Grösse viel zu viele Arbeitsplätze anbieten. Nach der städtebaulichen Theorie liegt das ideale Verhältnis bei 0,5 Arbeitsplätzen pro Einwohner. Damit könnten sämtliche Beschäftigten in der Stadt wohnen.

Die Schweizer Städte sind von diesem Wert weit entfernt: In Bern liegt das Verhältnis bei fast 1,5 Arbeitsplätzen pro Einwohner, in Zürich bei 1,3 und in Basel bei 1,1. In der Westschweiz ist die Situation etwas entspannter. In Genf und Lausanne beträgt das Verhältnis jeweils rund 0,9. Dort ist der Unterschied zwischen dem Arbeitsplatzangebot in den Stadtzentren und jenem in den umliegenden Gemeinden weniger ausgeprägt als in den Städten der Deutschschweiz.

Die Folge dieses grossen Arbeitsplatzangebots in den Städten: Hunderttausende Menschen müssen täglich pendeln.

Mehr als 70% der Erwerbstätigen in der Schweiz pendeln

Unter Einbezug der Grenzgänger wird ihre Zahl in Zürich auf mehr als 200’000 geschätzt, in Genf auf beinahe ebenso viele, in Basel und Bern auf jeweils fast 100’000 und in Lausanne auf 50’000. Interessant ist dabei, dass unmittelbar jenseits der Landesgrenze bei den Grenzstädten vor allem Wohngebiete mit einem geringen Arbeitsplatzangebot vorherrschen.

Nach Angaben des Bundesamts für Statistik pendeln mehr als 70% der Erwerbstätigen in der Schweiz täglich zur Arbeit in eine andere Gemeinde. Der durchschnittliche Arbeitsweg beträgt etwas mehr als zehn Kilometer und dauert etwas mehr als 20 Minuten. Beide Werte bleiben nahezu konstant, unabhängig vom Verhältnis zwischen der Zahl der Arbeitsplätze und der Einwohnerzahl.

Die meisten Pendler möchten nicht in die Stadt ziehen

Im Jahr 1990 lag der Anteil der Pendler erst bei 59% (nach Einschätzung der Analysten von Metron ist der Anstieg hauptsächlich auf die bessere Vernetzung der Städte mit den umliegenden Regionen zurückzuführen, häufig dank des Ausbaus der Schienen- und Strassennetze).

Aus rationaler Sicht wäre zu erwarten, dass Pendler lieber in der Nähe ihres Arbeitsplatzes wohnen würden. Die Studie von Metron zeigt jedoch, dass dies nicht der Fall ist. Das Verhältnis zwischen der Zahl der Arbeitsplätze und der Einwohnerzahl hat demnach nur einen sehr geringen Einfluss auf die Zahl der Pendler.

Die Gründe sind laut Metron einfach: Viele Menschen leben aus Komfortgründen lieber ausserhalb der Städte. Weitere Gründe sind der Arbeitsort des Partners oder der Partnerin sowie die familiäre Verwurzelung an einem bestimmten Ort.

Für Investoren und Immobilienentwickler verändert diese Erkenntnis die Ausgangslage grundlegend. Wenn die meisten Pendler nicht in die Stadt ziehen möchten, besteht auch kein Grund, eigens für sie Wohnungen in den Zentren zu bauen. 

Die Redaktion

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