«Risk Management und Compliance haben sich in den vergangenen Jahren deutlich professionalisiert»
Simona Terranova, Gründerin, MT Finance

«Risk Management und Compliance haben sich in den vergangenen Jahren deutlich professionalisiert»

Interview 4 min Immoday.ch
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Für Anlagefonds steigen die Anforderungen an Reporting und Governance laufend. Das Thema ist inzwischen so komplex geworden, dass selbst grosse Strukturen mit unabhängigen Experten arbeiten, um ihre Prozesse zu hinterfragen und allen Anspruchsgruppen die Gewissheit zu geben, dass der regulatorische Rahmen eingehalten wird. Umso wichtiger ist dieser Ansatz vor dem Hintergrund der zahlreichen Kapitaloperationen der vergangenen zwei Jahre.

Vor fünf Jahren hat Simona Terranova den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Diesen Entscheid bereut die Expertin für Risk Management und Compliance, die mit mehreren Immobilienfonds zusammenarbeitet, nicht. Im Gespräch erläutert sie, weshalb.

Simona Terranova, wir haben bereits vor vier Jahren ein Porträt über Sie veröffentlicht. Damals hatten Sie sich gerade selbstständig gemacht. Erinnern Sie uns bitte daran, womit sich Ihr Unternehmen MT Finance befasst.

MT Finance bietet Compliance- und Risk-Management-Dienstleistungen für Unternehmen aus der Finanzbranche an, etwa für Vermögensverwalter oder Fondsleitungen. Daneben bieten wir Banken und Wertpapierhäusern punktuelle Compliance-Beratung an. Parallel dazu übe ich mehrere Mandate als unabhängige Verwaltungsrätin aus.

Machen indirekte Immobilienanlagen einen grossen Teil Ihrer Tätigkeit aus?

Rund 30% meiner Zeit.

Ist die Arbeitsbelastung als Selbstständige höher als früher als Partnerin bei Deloitte?

Man arbeitet anders, mit einer anderen Haltung: weniger interne Politik, weniger Stress und mehr Freiheit in der Arbeitsweise. So kann man sich stärker auf die Bedürfnisse der Kunden konzentrieren. Ich bereue diesen Schritt nicht.

Verdient man als Selbstständige mehr?

Die Vergütung ist mindestens gleichwertig. Allerdings sollte Geld nicht der ausschlaggebende Grund für den Schritt in die Selbstständigkeit sein. Es ist aber auch kein Hindernis.

Mit dem Wachstum der Immobilienfonds haben immer mehr Asset Manager Risk Management und Compliance intern aufgebaut. Bedeutet das für Sie weniger Kunden?

Das ist ein falscher Eindruck. Meine Kundschaft reicht von Strukturen mit drei Personen bis zu Organisationen mit 30 Mitarbeitenden. Bei grösseren Einheiten mit internen Ressourcen liegt unser Mehrwert nicht im Tagesgeschäft, sondern in der Aufsicht, in einem marktübergreifenden Blick und in der Fähigkeit, ihre Prozesse zu hinterfragen. Diese Einheiten stützen sich im Alltag auf ihre internen Kompetenzen, während wir als externe Aufsicht eingreifen. Bei kleineren Strukturen ist es anders: Dort decken wir alles ab.

Hat sich Ihr Beruf in den vergangenen Jahren stark verändert?

Er verändert sich laufend. Er ist deutlich anspruchsvoller und komplexer geworden. Die Anforderungen an Reporting und Governance steigen ständig; eine heutige Risikomatrix hat mit dem entsprechenden Dokument von vor zehn Jahren kaum noch etwas gemeinsam. Die Funktion verlangt ein ausgeprägtes kritisches Denken, um Störungen frühzeitig zu antizipieren.

Was ist bei solchen Operationen die Aufgabe von Risk Management und Compliance

Compliance und Risk Management wirken wie ein Treppengeländer: Sie geben Sicherheit, schützen die Organisation und sorgen dafür, dass man sich strikt innerhalb des regulatorischen Rahmens bewegt. Das gibt allen Anspruchsgruppen und insbesondere den Investoren die Gewissheit, dass der regulatorische Rahmen eingehalten wird.

In den vergangenen Jahren haben sich Kapitalerhöhungen, neue Fondsauflagen, neue Produkte wie L-QIF sowie Fondskonsolidierungen gehäuft. Kurz: Der Markt für indirekte Immobilienanlagen war stark in Bewegung. Hat sich das auf Ihre Arbeit ausgewirkt?

Diese Operationen sind nicht neu. Ihre Häufung hat unsere Arbeitslast und die Frequenz unserer Einsätze aber zwangsläufig erhöht. In diesem Umfeld hoher Marktaktivität ist die Erfahrung, die unsere Teams in den vergangenen Jahren aufgebaut haben, zentral, um die Compliance dieser Operationen abzusichern.

Vor vier Jahren haben Sie mit uns über die Situation der Frauen in der Immobilienbranche gesprochen, einem sehr männlich geprägten Umfeld. Wie hat sich diese Situation seither entwickelt?

Frauen sind in der Finanz- und Immobilienbranche nach wie vor in der Minderheit. Das ist eine statistische Realität. Es geht um Chancen und persönliche Entscheidungen in einem sehr männlich geprägten Umfeld, auch wenn es einzelne Gegenbeispiele von Frauen in Führungspositionen gibt. Sie bleiben jedoch selten.

Sie sind Mitglied im Cercle suisse des administratrices. Würden Sie Frauen mit Ambitionen den Cercle empfehlen?

Ein Netzwerk ist grundlegend, wenn man selbstständig sein will. Und dieses Netzwerk lässt sich über Vereinigungen wie diesen Cercle leichter aufbauen, der seinen Mitgliedern zudem mehr Sichtbarkeit verschafft. Mir selbst hat er ein wichtiges Verwaltungsratsmandat eingebracht. Aber Vorsicht: Die Mitgliedschaft in einem solchen Netzwerk allein genügt nicht. Es braucht ebenso technisches Fachwissen und solide berufliche Kompetenzen. Beides ist untrennbar miteinander verbunden.

Immoday-Redaktion 

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